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My Little Pony: Der Film – auch was für Bronies?

Geschrieben von Daniel Niedermayr

“Brony: Erwachsene, meist männliche, Fans der vierten Generation der My Little Pony TV Serie, zumeist abgekürzt als MLP:FiM (Friendship is Magic).“

Man kann den neuen My Little Pony Kinofilm mit den Augen der Kinder und ihrer Eltern sehen. Man kann ihn aber auch mit den Augen eines Bronies sehen. Für erstere gibt es kaum etwas zu sagen: „MLP Der Film“ ist kindgerecht, ausbalanciert und hat ein angenehmes Tempo. Will man eine gute Zeit mit seinen Kindern verbringen, dann ist MLP: Der Film auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

Die Subkultur der Bronies hat da allerdings ganz andere Erwartungen. Synchronsprecher, Drehbuchautoren und Zeichner werden wie Götter verehrt. Können sie dem hohen Anspruch an eine Kinoproduktion gerecht werden? Das muss man wohl erst einmal verneinen, denn Lauren Faust (Erschafferin der TV Serie) und ihr Team hat gar nicht so viel mit der neuen Produktion zu tun, was einem auch schon auffällt, wenn man den Zeichenstil des Trailers mit dem Zeichenstil der Originalserie vergleicht. Spielzeughersteller Hasbro, dem die My Little Pony Lizenz obliegt, hat offenbar immer noch nicht verstanden, was die Faszination an der Serie ausmacht und geht davon aus, dass jeder diese Faszination reproduzieren kann.

Was dabei untergeht, ist die Identität der Serie. Der Humor. Die Tiefe der Charaktere. Die Emotion. Der Charme. Daher werden die Fans erst einmal enttäuscht sein. Nichtsdestotrotz nimmt der Film ordentlich Fahrt auf, sobald die Hauptfigur Twilight einen Fehler macht und das Friede/Freude/Eierkuchen Team auseinanderfällt. Auch der Bösewicht (oder eher „Bösewichte“) sind überzeugend und mit nachvollziehbarer Motivation ausgestattet. Leider kommt man nicht an den typischen Lied- Sequenzen vorbei, doch auch hier schafft es zumindest der Bösewicht Song zu brillieren.

Dies bringt uns auch gleich zu den deutschen Synchronsprechern, denn Maite Kelly von der Kelly Family haucht dem bösen Pony „Shadow Tempest“ Leben ein und singt auch den gerade erwähnten Song fabelhaft. Sänger Gil Ofarim (10. Staffel Let’s Dance/ 5 Mio verkaufte Platten) spricht Capper, einen schlitzohrigen Kater. Beatrice Egli (2013 Deutschland sucht den Superstar/ 10 Platin- Alben) spricht Princess Skystar, einen Hippogreif. Anne Wünsche (Berlin Tag und Nacht) spricht Piratencaptain Celaeno.

Von der Story her geht es recht flach zu. Equestria wird angegriffen, die Prinzessinnen außer Gefecht gesetzt. Man will Hilfe von den Hippogreifen aus dem Süden holen, doch die sind verschwunden. Auch die Seaponys oder Piraten sind erstmal nicht mit von der Partie. Und dann zerstreiten sich die Hauptfiguren auch noch. Am Ende rauft man sich zusammen und gewinnt. Ende.

Das Drehbuch stammt von Meghan McCarthy oder wurde besser gesagt „zusammen mit ihr“ geschrieben. Da kann ich aufgrund der fehlenden Liebe fürs Detail nur davon ausgehen, dass ihr Name als Werbung verwendet wurde und sie nicht wirklich etwas zu sagen hatte. Denn eigentlich ist McCarthy für so skurrile Episoden wie „Power Ponys“ oder „Party of One“ bekannt. Auch Regiesseur Jayson Thiessen ist ein Pony Veteran, aber macht wohl auch nur „seinen Job“. Was die Originalstimmen angeht, so kann man bei englischer wie deutscher Synchro beruhigt sein. Alle hören sich so an, wie sie sollen (Nicht schockieren lassen von den beiden deutschen No-Name Ponys zu Anfang des Films, die sich grauenhaft anhören).

Der Film startet ab dem 05. Oktober 2017 in den deutschen Kinos!

Fazit: „Based on the concept from Lauren Faust“. Tja, wenn man den Hype der 4. Pony Generation mitnehmen will, dann sollte man vielleicht die Macher der 4. Generation an Bord holen und nicht nur die Stimmen und einen Autor. Ich glaube nicht, dass der neue visuelle Stil das Ganze ruiniert hat, sondern eher die Angst von Hasbro, Kundenerwartungen nicht zu entsprechen. Macht die Story so einfach wie möglich, macht es nicht zu gruselig, lasst es optisch nach großem Kino aussehen“. Na, sie haben bekommen, was sie wollten. Auf einen richtigen „My Little Pony – Der Film“ können die Bronies daher noch weiter warten. Offenbar hat Hasbro die Bronies immer noch nicht auf der Rechnung.

Trailer:

[Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich nicht im Detail herausfinden konnte, inwiefern die Produzenten der TV Serie an dem Kinofilm mitgewirkt haben. Ich stelle hier nur meinen Eindruck dar und es würde mich auch nicht überraschen, wenn manche Bronies begeistert auf den Film reagieren. Vom Handwerk her kann man dem Film keine Vorwürfe machen. Ich für meinen Teil habe allerdings sehr hohe inhaltliche Ansprüche an MLP].

 

Bilder: © 2017 TOBIS Film GmbH

Über den Autor

Daniel Niedermayr

Hallo! Mein Name ist Daniel (32) und ich bin leidenschaftlicher Trekkie. Und Brony. Und Pädagoge. Und… Ach, lassen wir das. Was mich an Filmen fasziniert, ist die menschliche Vorstellungskraft – Nicht nur was die Größe und Details der imaginären Welten angeht, sondern die Botschaften. So manch ein Film mag für oberflächliche Unterhaltung angesehen werden, doch hat die Welt des einen oder anderen Individuums maßgeblich beeinflusst. Ist das gut? Ist das schlecht? Es ist keins von beiden – es ist das, was wir daraus machen. Und daher schreibe ich Film Reviews.

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