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Disney/Pixars „Coco“ – Toller Film, schlechte Werbung?

Geschrieben von Daniel Niedermayr

Disneys „Coco“ handelt vom mexikanischen Totenkult, genauer dem Tag der Toten und dessen Bedeutung für den Familienzusammenhalt. Es ist ein sehr emotionaler Film, dessen Detailverliebtheit und Kreativität in den Trailern unter einem Berg von komödiantischen Einlagen verschwindet.

Im Teaser sieht man einen Hund, der einen Knochen jagt, welcher ein Eigenleben zu haben scheint. Am Ende findet man heraus, dass der Knochen zu einem lebenden Skelett gehört. Das Filmplakat zeigt einen Jungen und jenes Skelett, Rücken an Rücken wie bei einem Buddy Movie.

Die eigentliche Krux des Films wird nicht vermittelt und der fremde kulturelle Hintergrund wird zwar einige neugierige Zuschauer anlocken, doch meiner Einschätzung nach bevorzugen die meisten amerikanischen und europäischen Kinogänger eine bekanntere kulturelle Kost, weshalb es die Kinder eher zum neuen My Little Pony Film ziehen wird.

Dabei ist „Coco“ dem Hasbro Giganten meilenweit voraus. Was MLP (My Little Pony) an Authentizität vermissen lässt, wird bei Disney endlich wieder voll durchgezogen. Das Presseheft mit den Infos über Synchronsprecher und CGI Know-How kann man getrost zerknüllen. Hier ist, was den Film großartig macht:

Der 12-jährige Miguel lebt in einer typisch mexikanischen Großfamilie mitsamt Ur-Großmutter namens „Coco“. Da Cocos Papa die Familie verließ, um ein berühmter Musiker zu werden, ist seitdem jegliche Musik seit Generationen verboten. Doch Miguel liebt die Musik und eifert heimlich seinem Idol Ernesto de la Cruz nach. Als er sich zwischen Familie und Leidenschaft entscheiden muss, begeht er einen verhängnisvollen Fehler, der ihn mit der Welt der Toten bekannt macht. Dort lernt er, wo seine Wurzeln sind und was das Schicksal für ihn bereit hält.

Der mexikanische Totenkult ist eine Schatztruhe voller fantastischer Ideen und Lebensfreude. Pixar hat sich viel Mühe gegeben, diesem kulturellen Schatz Rechnung zu tragen und selbst die Fingerbewegungen der Musiker wurden auf das Genaueste animiert. 2011, 2012 und 2013 flog das Team nach Mexiko, um sich von Einheimischen beraten zu lassen.

Fazit: Wer nicht nur Spaß und eine packende Story haben will, sondern auch gleich noch etwas über eine der warmherzigsten Traditionen auf diesen Planeten lernen will, der sollte „Coco“ eine Chance geben. Es gibt wahrlich schon genug oberflächliche Blockbuster, die nicht ansatzweise so viel Gespür für Humanität haben.

PS: Inklusive einem geflügelten (30m langen!) Tiger in Neon- Farben. Kein Witz Oo

COCO könnt ihr ab dem 30. November in den deutschen Kinos sehen!

Trailer:

 

Bilder: ©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Über den Autor

Daniel Niedermayr

Hallo! Mein Name ist Daniel (32) und ich bin leidenschaftlicher Trekkie. Und Brony. Und Pädagoge. Und… Ach, lassen wir das. Was mich an Filmen fasziniert, ist die menschliche Vorstellungskraft – Nicht nur was die Größe und Details der imaginären Welten angeht, sondern die Botschaften. So manch ein Film mag für oberflächliche Unterhaltung angesehen werden, doch hat die Welt des einen oder anderen Individuums maßgeblich beeinflusst. Ist das gut? Ist das schlecht? Es ist keins von beiden – es ist das, was wir daraus machen. Und daher schreibe ich Film Reviews.

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