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Disneys Dumbo – Realverfilmungen auf dem Prüfstand

Daniel Niedermayr
Geschrieben von Daniel Niedermayr

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Mit dem Fachbegriff „Realfilm“ sind Produktionen gemeint, in denen echte, lebende Schauspieler vorkommen. Oft wird diese Bezeichnung dazu genutzt, die Produktion von ihren verwandten Animations- Counterparts zu unterscheiden (z.B. im Fall von „101 Dalmatiner“ oder „Familie Feuerstein“). Ganz aktuell rückt die Diskussion über die Qualität von Realverfilmungen in den Vordergrund, da die Disney Studios zurzeit eine Vielzahl von Animations- Klassikern in das Realformat übertragen, unter anderem „Das Dschungelbuch (2016)“, „Die Schöne und das Biest (2017)“, „Christopher Robin (2018)“ und demnächst „Aladdin“.

Ich persönlich habe die Realverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ sowie „Das Dschungelbuch“ nicht gesehen und stand „Alice im Wunderland“ und „101 Dalmatiner“ kritisch gegenüber. Auf der anderen Seite hat mich „Christopher Robin“ und „Dumbo“ positiv überrascht. Kann man also sagen, dass Realverfilmungen an sich gesehen keine schlechte Idee sind und es immer an der Umsetzung liegt?

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

„Dumbo“ ist der neueste Realverfilmungs- Ableger und überzeugt durch das Casting, die Dramaturgie und Emotionalität. Colin Farrell ist fast nicht wiederzuerkennen als Kriegsheimkehrer, der einen Arm verloren hat, dessen Frau verstorben ist und dessen Zeiten als Reitkünstler im Zirkus vorbei sind. Seine beiden Kinder Milly und Joe sind nach außen hin aufgeweckt und intelligent, leiden aber darunter, ohne ihre Eltern aufgewachsen zu sein. Wie man hier schon sieht, unterscheidet sich die Realverfilmung bezüglich des Fokus. Man geht weg von den lustigen Ohren, hin zu einem Familiendrama. Doch wer den Zeichentrick- Klassiker noch richtig im Kopf hat, der wird sich erinnern, dass das Original auch sehr dunkle Töne anschlägt, z.B. mit Dumbos Mutter in Ketten oder seiner Erniedrigung als Clown.

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Ist die Neuverfilmung für Kinder geeignet? Es gibt keine wirklich brutalen Szenen, die Elefanten werden nicht geschlagen und am ungeeignetsten sind die lauten Soundeffekte und ein paar brenzlige Situationen mit Feuer. Ich denke allerdings, dass die heutigen Kids Schlimmeres gewohnt sind. Wer sein Kind den „König der Löwen“ mit den Horror- Hyänen ansehen lässt, der kommt auf jeden Fall klar (Auch dieser Klassiker wird demnächst realverfilmt).

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Auf der anderen Seite steckt der Film voller Zirkus- Zauber und der computeranimierte Dumbo ist einfach unglaublich putzig. Ich würde mir wünschen, dass der Film dazu anregt, darüber nachzudenken, dass zukünftige Generationen keine echten Elefanten mehr kennen werden und nur noch CGI an sie erinnert. Andererseits kann es auch nicht Sinn machen, echte Tiere für solche Filme auszunutzen (manche Szenen sind auch nicht mit echten Tieren drehbar). Es hätte mich wirklich gefreut, echte Elefanten zu sehen, die man in freier Naturbahn filmt und den Film drum herum baut. Am besten verbunden mit einer Naturschutz- Kampagne. Aber da unsere Computereffekte offenbar noch nicht so weit sind, wäre es sehr störend gewesen, sobald man notgedrungen zu einem Computer- Dumbo wechselt.

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Besonderes Lob verdienen Danny DeVito als Zirkusdirektor und Michael Keaton (bekannt als „Batman“ 1989 und Spider-Mans Nemesis „Vulture“). Keaton gibt einen fantastischen Widersacher ab, der für den Erfolg seines Freizeitparks über Leichen geht. Nicht schlecht für Keaton, der im September 68 wird (Im gleichen Jahr geboren sind Mark Hamill alias Luke Skywalker, Mike Krüger und Robin Williams). Danny DeVito legt mit seinen 75 Jahren noch eine Schippe drauf und feiert 2019 zusammen mit Uschi Glas, Gerhard Schröder und George Lucas.

Fazit: Disney geht einen sicheren Weg, indem es keine neuen Ideen entwickelt, sondern Klassiker aufmotzt. Marvel hat es vorgemacht und sich außerordentlich gut geschlagen. Star Wars tat dieses Vorgehen künstlerisch weniger gut, doch die finanzielle Seite stimmt. Nichtsdestotrotz haben eigenständige Produktionen wie „Toy Story“ oder „Ralph reichts“ für mich einen ganz anderen Stellenwert. Gute Realverfilmungen wie „Christopher Robin“ oder „Dumbo“ sind nicht nur visuell ansprechend, sondern identifizieren den emotionalen Kern des Ursprungs- Materials und bauen um diesen eine ganz neue Geschichte auf. Andere Remakes wie „Alice im Wunderland“ kann nur noch Tim Burtons visueller Stil retten, da man offenbar keine Ahnung hatte, um was es im Original ging.

Ab dem 28. März in den deutschen Kinos

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Trailer:


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Über den Autor

Daniel Niedermayr

Daniel Niedermayr

Hallo! Mein Name ist Daniel (34) und ich bin leidenschaftlicher Trekkie. Und Brony. Und Pädagoge. Und… ach, lassen wir das. An Filmen fasziniert mich die menschliche Vorstellungskraft. Nicht nur was die Größe und Details der imaginären Welten angeht, sondern die Botschaften. Man mag so manchen Film für oberflächliche Unterhaltung halten, doch haben sie für den Ein oder Anderen einen maßgeblichen Einfluss. Ist das gut? Ist das schlecht? Es ist keins von beiden. Es ist das, was wir daraus machen. Und daher schreibe ich Reviews.

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