Geplant war eine Veröffentlichung für den 27. März 2020, weshalb wir zu diesem Zeitpunkt auch schon in die Preview durften. Dann kam Corona und im Juni hieß es dann, ab dem 20. August im Kino. Mittlerweile ist zumindest klar, dass “Mulan” ab dem 4. September auf Disney+ erhältlich ist. Dazu sei gesagt, dass ein normales Disney+ Abo in vielen Märkten nicht ausreichen wird, da der Titel als SVoD vertrieben wird, also als “Subscription-Video-on-Demand”, wo man zusätzlich zur Subscription noch eine Gebühr (ca. 30 Dollar) bezahlen muss (VIP Deutschland 21,99€). Im Kino erscheint der Titel auch, allerdings vorwiegend in Ländern, wo Disney+ nicht vertrieben wird (Tschechien, Slowakei, Thailand…).
„Mulan“ ist der zweite Disney Film, in der eine Frau (Niki Caro) Regie führt und bei dem es sich um eine über 100 Millionen Dollar teure Produktion handelt (Die erste Regiesseurin ist Ava DuVernay für „Wrinkle in Time“). Obwohl bereits im Jahr 2000 Pläne für eine Realverfilmung geschmiedet wurden, konnte sich das Projekt mit Chuck Russel als Director („Die Maske“, „Eraser“, „Scorpion King“) nicht halten. Die jetzige Regisseurin Niki Caro aus Neuseeland überzeugte in Hollywood durch ihre Arbeit an „Whale Rider“ (2002), einem Film über Maori Mythen.
Während Guy Ritchie für die Neuverfilmung von „Aladdin“ viele neue Ansätze ausprobiert hat, vertraut „Mulan“ auf die Stärke des Originals und geht sogar noch einen Schritt weiter: Viele Details, die laut historischer Vorlage im Zeichentrick falsch dargestellt wurden, werden korrigiert. So heißt Mulans Familie nicht „Fa“ (Zeichentrick) sondern „Hua“. Leider geht diese Detailtreue auf Kosten von Otto Walkes Drachen „Mushu“, welcher im Film nicht vorkommt. Stattdessen werden die Geister der Ahnen in Form eines Phoenix dargestellt, der allerdings nur optisch anwesend ist.
Mit Jet Li („Lethal Weapon 4“, „Romeo Must Die“, „Kiss of the Dragon“) als chinesischer Kaiser, der zwar von der Story her keine großen Momente hat, als Schauspieler allerdings mehr denn je überzeugt.
Für Kinder wird der Film keine so große Freude wie der Zeichentrick sein, auch wenn Mulans lustige Kameraden sehr ähnlich übernommen wurden (Das stelle ich mir als eine echte Herausforderung für das Casting- Büro vor). Mit großartigen Natureinstellungen, aufwendig gefertigten Kostümen und einem tiefsinnigen Dilemma richtet sich „Mulan“ eher an ein erwachsenes Publikum, was natürlich nicht bedeutet, dass der Film für Kinder keinen Mehrwert hat.
Das Drehbuch wurde vom Ehepaar Rick Jaffa und Amanda Silver überarbeitet, die sich auch für die „Planet der Affen“ Neuverfilmungen, sowie für „Jurassic World” verantwortlich zeigen. Während das Originalscript noch Schauspieler kaukasischer Herkunft beinhaltete, werden aufgrund kritischer Stimmen mittlerweile alle Figuren von asiatischen Schauspielern verkörpert. Während 2000 noch Zhang Ziyi ( „Tiger and Dragon“, „Die Geisha“) für die Hauptfigur geplant war, übernimmt dies nun Liu Yifei. Yifei wurde 2002 als bislang jüngstes Mitglied an der Beijing Film Academy angenommen (Von 100.000 Bewerbern wurden nur 500 akzeptiert) und konnte sich beim offenen Mulan Casting gegen 1.000 Mitbewerber durchsetzen.
Fazit: Die Story ist bekannt, die Optik atemberaubend. Die Schauspieler überzeugen, allen voran Liu Yifei und Jet Li. Wenn man allerdings als Zuschauer einige pedantische Züge ala Sheldon Cooper aufweist, dann werden einem zweifelsohne logische Ungereimtheiten auffallen. Zum Beispiel schreien Mulans Stimme und Körperbau geradezu nach Frau. Auch taktisch geht es kurios zu: Als man die Helden in einer Gasse einsperrt, könnten die Schurken die Stadt an sich reißen. Stattdessen schickt man Soldaten einzeln von oben in die Löwengrube, damit die Helden jemanden zum verkloppen haben?
Ab dem 4. September auf Disney+
Trailer: